Das nächste Ziel könnte der Mars sein

Ein voller Erfolg war der 2. Talk im Lab mit dem renommierten Physiker und ehemaligen Astronauten Prof.Dr.Ernst Messerschmid in der Alten Turnhalle in Herrenberg. Ungefähr 200 interessierte Zuhörer waren gekommen, darunter viele Jugendliche. Nach seinem  eindrucksvollen Vortrag stellte sich Prof. Messerschmid den Fragen der jungen Forscherinnen und Forscher des AEROSPACE LAB.

„Vom All in den Alltag“ – unter diesem Motto führte Prof. Dr. Heinz Voggenreiter, stellvertretender Vorsitzender des AEROSPACE LAB, in einem kurzen Gespräch mit Prof. Messerschmid in den Vortrag ein. Er betonte, wie wichtig es sei, junge Menschen für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern. Einen echten Astronauten hatten bislang die allerwenigsten gesehen. Der gebürtige Reutlinger Ernst Messerschmid gehörte in den achtziger Jahren zu den ersten europäischen Weltraumfahrern. Nach einer intensiven Vorbereitungszeit für die Mission D1 flog er 1985 mit der US-Raumfähre Challenger ins All.

Ein Jahr später, an der Universität Stuttgart, habe er seinen Studenten auch vermittelt, dass man sich in der Weltraumforschung nicht mit Fehlern aufhalten könne, sondern von ihnen lerne. Hohe Sicherheitsstandards und eine gute Vorbereitung seien wichtig. Wer aufgenommen werden will, muss zwar in Mathe und Physik gut sein. Daneben sollten Studierende lösungsorientiert und teamfähig sein. Und: „Sprachen sind ebenfalls sehr wichtig in den internationalen Projekten, sowie die interkulturelle Vorgehensweise“, betonte Messerschmid.  2000 hat er das Europäische Astronautenzentrum in Köln mit aufgebaut und war deren Leiter. Er flog zwar nicht mehr ins All, doch während der Ausbildung der Astronauten konnte er als „Trainer“ die Faszination des Weltraums mit empfinden und bekam wieder Lust zu fliegen: „Ich würde gerne weiter wegfliegen, zu Asteroiden oder auf den Mars in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren“.

Die Raumstation als Forschungslabor

In eindrucksvollen Bildern berichtete Messerschmid schließlich in seinem Vortrag von seinem schwerelosen Arbeitsalltag im All, dem verändertem Geschmacksempfinden beim Essen, von der unglaublichen, entspannenden Leichtigkeit beim Schlafen und den vielen Experimenten für die Forschung. In acht Minuten sei der Astronaut und Forscher mit seinen Kollegen im Weltall gewesen. Faszinierend war das Video, das seinen eigenen Raketenstart zeigte und den Zuschauern die Schubkraft einer Rakete hautnah vermittelte. Die Raumstation sei ein echtes Forschungslabor gewesen. Für Medizin, Biotechnologie und die Materialforschung habe er fern der Erde 70 Experimente durchgeführt – die Raumfahrt für neues Wissen und Innovation. Nicht zu vergessen seien dabei, so Messerschmid, Raumfahrttransportsysteme und Satellitenkommunikation. 250.000 Menschen sind weltweit in der Raumfahrt beschäftigt. 40 Prozent der 7000 Beschäftigten in Deutschland arbeiten in Baden-Württemberg.

Die Erde hat ein neues Gesicht

“ Die Raumfahrt hat unser Leben verändert, unser Horizont hat sich erweitert. Die Erde hat ein neues Gesicht bekommen. Wir sind ein Nichts, ein Punkt im All, innerhalb von Milliarden Galaxien. “ Prof. Messerschmid sprach ehrfurchtsvoll von dem, was er erlebt hat. Auf seinem Rückflug zur Erde projizierte er viele eindrucksvolle Luftaufnahmen von Regionen der Erde auf die Leinwand.  Aber auch solche, die nachdenklich machen, Umweltverschmutzung dokumentieren und die Regierungen zum Handeln veranlassen sollen. „Wir müssen nachhaltiger und umweltfreundlicher wirtschaften“. Und was war der kleine schwarze Fleck, eines der vielen schönen Fotos von Prof.Messerschmids Weltraummission? Zwischen Bodensee und der Schwäbischen Alb erkannte einer der Zuschauer den – Schönbuch! Wie die Erde in den Weiten des
Alls, nur ein kleiner Punkt.

Junge Experten aus dem AEROSPACE LAB fragen nach

Zum Schluss stellte sich der Weltraumexperte den interessierten Fragen der jungen Experten des AEROSPACE LAB. Gibt es Wasser auf einem anderen Planeten? Gibt es Stürme im Weltall? Wo ist der Unterschied zwischen schwarzen Löchern und Antimaterie? Glauben Sie an die zweite Erde? Die Antwort: „Bei 100 Milliarden Sternen in unserer Galaxie und 100 Milliarden Galaxien wäre es seltsam, wenn es dort nicht irgendwo Lebewesen gäbe.“

„Der größte Nutzen jedoch wird sein, dass immer mehr Menschen die Erde wie die Astronauten wahrnehmen: als kleinen schönen Planeten, eine Insel im lebensfeindlichen Weltraum, die wir in all ihrer Vielfalt bewahren müssen.“

Ernst Messerschmid