Gelb und blau lackiert, eine Augenweide ist der Go-Kart, wie er in den neuen Räumen des AEROSPACELAB steht. Doppelt so viel Platz haben die Schülergruppen hier im ehemaligen Landwirtschaftsamt in der Berliner Straße und noch dazu einen herrlichen Blick auf  Herrenberg und seine Stiftskirche. Zehn Schüler aus Herrenberg und Tübingen präsentierten ihren Sponsoren das Fahrgestell, an dem sie seit Oktober letzten Jahres gearbeitet haben. Ingfried Becker, Seniorpate des AEROSPACE LAB Projekts „Go-Kart mit Brennstoffzellenantrieb“ , war sichtlich stolz auf seine Schützlinge und meinte: „Die sind jetzt fit für jedes Firmenpraktikum“.

GO Kart

Drei Gruppen sind für das Go-Kart Kernprojekt gebildet worden. Neben Ingfried Beckers Bau- und Montagegruppe  ist  Emil Nathanson, Doktorand vom Stuttgarter Institut für Raumfahrtsysteme Ansprechpartner für die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnik, und Wilfried Weber von der Geschäftsleitung der Deckenpfronner H&B Electronics, ebenfalls einer der Sponsoren, für die Mechanik.

Die Jungs zwischen 15 und 16 Jahren haben an vielen Nachmittagen konstruiert, gefräst, gedreht und gefeilt und einen verstellbaren Sitz geschaffen, „damit auch die Großen fahren können.“ Es wurden die Grundlagen der Elektrotechnik vermittelt und kleine Motoren gebaut. Alles ist noch in der Entwicklung, das Ziel ist  der umweltfreundliche Elektromotor, dessen Antrieb die Brennstoffzelle ist. Mit dem Simulationsprogramm LabVIEW soll dann über zwei Bildschirme in einem Flussdiagramm der Antrieb des Elektromotors visualisiert werden.

Wie Wasser durch Elektrolyse in Wasser und Sauerstoff getrennt und dadurch Energie gewonnen wird, gehört für die Schüler im AEROSPACELAB schon zum Basiswissen und ist für das Verständnis der Brennstoffzelle wichtig. Da sind die 9. und 10.Klässlern ihren Mitschülern voraus, denn, so Chemielehrer Thomas Epple „Elektrochemie ist eigentlich Stoff der 12.KLasse“. Mit diesem Wissen konnte auch Pierre punkten: er hat in seiner Abschlussprüfung auf der Realschule über das Thema Brennstoffszelle eine 1,6  bekommen und möchte nun auf das Technische Gymnasium gehen. Philipp aus der 9.Klasse weiss jetzt schon, „dass ich mal in die Entwicklung will“ und Jan aus der 8.ten interessiert sich brennend für Chemie und Biologie.

Peter Kredatus vom Rotary Club Herrenberg weiss deshalb auch seine Sponsorengelder gut angelegt: „Ich bin stolz, dass Ihr so tolle Taten vollbringt und freue mich über die Organisation“,meinte er mit Blick auf Angie Voggenreiter, die im AEROSPACE LAB eine Plattform dafür biete. Von den 10.000 Euro Spende im vergangenen Jahr bekam das Go-Kart Team 3.000 Euro. Alfred Dengler vom Motorsportclub Herrenberg war mit der 1.Vorsitzenden, Silvia Barthel, ins AEROSPACE LAB gekommen. Er überreichte den Jungs einen  goldenen Siegerpokal mit der Aufschrift  „Vom Ur-Kart zum Super-Kart“ und dazu eine „seelische Warnweste“. Doch es besteht keine Gefahr, dass die Schüler zum Raser werden:  der Go-Kart soll maximal 25 Stundenkilometer fahren, so Ingfried Becker, denn „mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde wird das eine heiße Nummer.“ Deshalb soll ein Widerstand in den 1,8 Kilowatt Motor eingebaut werden.

Als nächste Projektstufe ist der Antrieb mit Akkumulatoren und E-Motor vorgesehen. Danach soll der Betrieb mit einem Brennstoffzellenstack des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart in Angriff genommen werden.